21. Mär 2020 • Pressemitteilung 

Corona-Krise verschärft Situation der von Rassismus Betroffenen (Pressemitteilung des advd)

Pressemitteilung des Antidiskriminierungsverbands Deutschland (advd) anlässlich des Internationalen Tages gegen Rassismus

Das rassistische Attentat in Hanau am 19. Februar 2020 rief in Erinnerung, wie sehr People of Color hierzulande rassistischer Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt sind. Kurz darauf überschlugen sich mit dem Voranschreiten der Corona-Pandemie die Ereignisse, sodass die Aufarbeitung des Anschlags in den Hintergrund gerückt ist.

Rassismus und Diskriminierungen machen aber keine Pause, sondern sind als strukturelle Probleme immer präsent und müssen auch in Krisenzeiten bekämpft werden. Der erst kürzlich erschienene Bericht der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) des Europarats[1] macht deutlich, dass Deutschland wenig Fortschritte dabei macht und empfiehlt u.a. mehr in Antidiskriminierungsstellen zu investieren und ein stimmiges System von Organisationen aufzubauen, das Opfern von Diskriminierung effektive Unterstützung gewährt.

Die Anerkennung von Rassismus als strukturelles Problem bedeutet auch, genau hinzuschauen, wer wie von der Corona-Krise betroffen ist. So ist zu befürchten, dass People of Color im Rahmen der Pandemie-Eindämmungspolitik sowie der Versorgung von Covid-19 Infizierten benachteiligt werden: Aufgrund eines ungleichen Zugangs zu medizinischer Versorgung für Migrant*innen, wegen Informationsdefiziten für Menschen mit wenig Deutschkenntnissen und niedriger Anbindung an lokale Informationskanäle oder, wie in der PM der Geflüchteten-Selbstorganisation[2] beschrieben, aufgrund einer Unterbringung in Geflüchteten-Wohnheimen, die den aktuellen Sicherheitsvorkehrungen in keiner Weise entsprechen. Auch langfristig werden Communities of Color aufgrund ihrer strukturellen Benachteiligung besonders mit den sozialen Folgen der Krise zu kämpfen haben.

„Für die Antidiskriminierungsarbeit bedeutet dies, weiterhin präsent zu sein unter den erschwerten Bedingungen und auf bestehende Ungleichheiten und ihre Folgen aufmerksam zu machen. Beratungsstellen, die People of Color u.a. bei Diskriminierung unterstützen, führen auch in der Krise ihre Arbeit fort,“ Eva Andrades, Geschäftsführerin des Antidiskriminierungsverbandes Deutschland.

Betroffene von rassistischer Diskriminierung können sich weiterhin an Antidiskriminierungsberatungsstellen wenden, die nun telefonisch oder online beraten.

Eine Übersicht über die im ADVD zusammengeschlossenen Antidiskriminierungsberatungsstellen finden Sie hier:
https://www.antidiskriminierung.org/ber-uns-1

 

Kontakt:

www.antidiskriminierung.org
Céline Barry, celine.barry@antidiskriminierung.org

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[1] https://rm.coe.int/ecri-report-on-germany-sixth-monitoring-cycle-german-translation-/16809ce4c0

[2] Siehe Pressemitteilung von THE VOICE Refugee Forum vom 18.3.20

http://thevoiceforum.org/node/4717