Glossar

Glossar

Hier finden Sie Erklärungen zu vielen wichtigen Begriffen rund um das Thema Antidiskriminierung. Die Begriffe sind in alphabetischer Reihenfolge geordnet. Bitte scrollen Sie abwärts.

A

Abschiebung

ist eine Zwangsmaßnahme zur Durchsetzung der Ausreisepflicht. Zur Abschiebung kommt es unter anderem, wenn der Antrag auf Asyl abgelehnt wurde und auch keine sonstige Bleibeerlaubnis besteht, so dass es den betroffenen Menschen verboten ist, sich weiterhin im Land aufzuhalten. Wenn diese nicht freiwillig gehen, findet die Ausweisung in Polizeibegleitung statt, manchmal werden dabei Zwangsmittel wie Fesselungen und ruhig stellende Medikamente verwendet. Abschiebungshaft ist die Inhaftierung von Menschen in Gefängnissen, weil sie abgeschoben werden sollen. Sie kann bis zu 18 Monate dauern.

Altersdiskriminierung

Ageism/Altersdiskriminierung (aus dem Engl. age) bezeichnet Diskriminierungen und negative Einstellungen gegenüber dem Alter. Damit zusammen hängen Stigmatisierungen des Alterungsprozesses, des Altseins und der davon betroffenen Gruppe von Menschen. Ein Beispiel ist es, wenn alte Menschen als Belastung für die Gesellschaft gesehen werden, was z.B. in Begriffen wie „Rentnerschwemme“, „Überalterung der Gesellschaft“ zum Ausdruck kommt.

Adultism (aus dem Engl. adult) ist die Diskriminierung von Kindern oder Jugendlichen durch Erwachsene, die Geringschätzung kindlicher Interessen und Bedürfnissen bzw. die Höherbewertung von Erwachseneninteressen. Er verweist auf die relative Machtlosigkeit von Kindern gegenüber Erwachsenen.

Antidiskriminierung

ist eine Strategie, Diskriminierung entgegen zu treten. Sie zielt auf die Bekämpfung von Benachteiligungen auf der individuellen, institutionell-strukturellen und diskursiv-ideologischen Ebene. Sie bezieht also die Einstellungs- und Handlungsebene der Menschen ebenso ein wie die gesellschaftlichen Strukturen und Ungleichheitsideologien. Antidiskriminierende Aktivitäten sind z.B. Beratung und Unterstützung von Menschen mit Diskriminierungserfahrungen, die Dokumentation von Diskrimininierungsfällen, Bildungsangebote, öffentlichkeitswirksame Kampagnen für gleiche Rechte bis hin zu Gesetzen mit einklagbaren Bestimmungen zum Schutz vor Diskriminierung.

Antisemitismus

bezeichnet die Ablehnung, Vorurteile, Hass und Diskriminierung gegenüber Juden und Jüdinnen. Es gibt verschiedene Strömungen. Der christliche Antijudaismus lehnt Juden aufgrund ihrer Religion ab. Der moderne Antisemitismus entstand im 19.Jahrhundert und stützte sich auf rassistische Motive. Jüdische Menschen wurden als minderwertige und gefährliche Rasse bezeichnet. Unter dem Nationalsozialismus von 1933-1945 erreichte der moderne Antisemitismus mit der Vernichtung von sechs Millionen europäischen Juden und Jüdinnen seinen Höhepunkt (Holocaust oder Shoa). Ressentiments und Verschwörungstheorien, die „den Juden“ eine besonders große Macht über die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen in der gesamten Welt zugeschrieben, sind bis heute weit verbreitet. Antisemitismus braucht keine realen Juden oder Jüdinnen, er richtet sich auch gegen Menschen, denen „Jüdischsein“ zugeschrieben wird. Von sekundärem Antisemitismus spricht man, wenn „den Juden“ die Schuld für subjektiv empfundene Belastungen durch die Holocaustdebatte und die daraus resultierende historische Verantwortung gegeben wird. Allen Formen des Antisemitismus ist eine Vorstellung von jüdischer Macht gemeinsam: die Macht, Gott zu töten, die Beulenpest loszulassen oder abstrakte Herrschaft im Kapitalismus („das Finanzkapital“) auszuüben.

Antiziganismus

(angelehnt an Frz. tsigane = „Zigeuner“) ist die Diskriminierung und die feindliche, abwertende Haltung gegenüber Sinti und Roma und Menschen, die als „Zigeuner“ ettiketiert werden, z.B. nichtsesshafte Menschen. Er reicht von Vorurteilen, der Verklärung des „lustigen Zigeunerlebens“, über offene Ablehnung, Vertreibung bis hin zu Pogromen und Mord. Zugrunde liegen Stereotype von unzivilisierten Menschen, die kein geregeltes Leben haben würden und ihren Lebensunterhalt nicht durch ehrliche Arbeit, sondern durch Diebstahl und Betrug verdienen. Die Bezeichnung „Zigeuner“ lehnen die so bezeichneten Sinti und Roma ab, weil er in der deutschen Sprache auch mit „ziehenden Gaunern“ gleichgesetzt wurde. Sie wurden unter dieser Bezeichnung von den NationalsozialistInnen als naturgegeben „unzivilisiertes, minderwertiges Volk“ verfolgt, zwangssterilisiert und ermordet und werden auch heute noch als „arbeitscheu“, „kriminell“ oder „asozial“ diskriminiert.

Asyl

Asyl ist der ständige Aufenthalt in einem neuen Land und bezeichnet die Gewährung von Schutz für verfolgte Menschen aus anderen Ländern. Gründe für die Beantragung von Asyl sind beispielsweise die Zugehörigkeit zu einer verbotenen Partei im Herkunftsland, Bürgerkrieg oder die Verfolgung aufgrund der Religion, der sexuellen Orientierung oder geschlechtsspezifische Verfolgung.

In der BRD wurde das Asylrecht 1949 im Deutschen Grundgesetz verankert, weil im Nationalsozialismus hunderttausende verfolgte Deutsche Asyl in anderen Staaten suchten. Heute wird Asyl und die damit verbundene Aufenthaltserlaubnis in Deutschland nur Menschen gewährt, bei denen eine strenge Prüfung ergibt, dass sie wegen politischer Verfolgung ihr Heimatland verlassen haben. Außerdem dürfen sie nicht über so genannte „sichere Drittstaaten“ nach Deutschland eingereist sein, dann müssen sie den Asylantrag in diesen Staaten stellen. Da alle Staaten die Deutschland umgeben „sichere Drittstaaten“ sind, ist ein Asylantrag nur noch für Menschen möglich, die mit dem Flugzeug nach Deutschland kommen und dann um Asyl bitten. Insgesamt ist die Zahl der AsylbewerberInnen in Deutschland stark zurückgegangen und sehr klein. AsylbewerberInnen sind meistens in Sammelunterkünften untergebracht, dürfen nicht arbeiten und dürfen sich nicht aussuchen, wo sie leben wollen und sich nicht ohne Erlaubnis der Ausländerbehörden frei in Deutschland bewegen.

Ausländerfeindlichkeit

Ausländerfeindlichkeit (auch Fremdenfeindlichkeit oder Xenophobie) bezeichnet eine feindselige ablehnende Haltung gegenüber nicht-deutschen Menschen und solchen, die dafür gehalten werden. Der Begriff „Ausländerfeindlichkeit“ ist aus mehreren Gründen problematisch: Er verdeckt, dass auch Menschen, die fast ihr ganzes Leben in Deutschland sind, die in Deutschland geboren wurden bzw. die deutsche Staatsangehörigkeit haben, aus rassistischen Gründen abgelehnt, abgewertet oder ausgegrenzt werden: Obwohl sie weder AusländerInnen noch „Fremde“ sind, z.B. Schwarze Deutsche oder SpätaussiedlerInnen aus der Ex-Sowjetunion. Andererseits gibt es auch AusländerInnen, denen in Deutschland gar keine Feindlichkeit entgegenschlägt, z.B. die schwedische Austauschstudentin oder der kanadische Computerexperte. Außerdem legen die Begriffe nahe, dass es eine angeborene Angst/ Phobie vor dem „Fremden“ gäbe, die psychologisch begründet und somit verständlich sei.

Und schließlich machen viele Menschen z.B. aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft verletzende Erfahrungen, die gar nicht feindselig gemeint sind, sondern z.B. unbewusst geschehen oder sich aus gesetzlichen Regelungen ergeben. Der Begriff Rassismus ist deshalb treffender.

B

Barrierefreiheit

Barrierefreiheit heißt, dass alle Lebensbereiche so gestaltet sind, dass sie für jeden Menschen uneingeschränkt und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind. Barrierefrei gestaltet können Gebäude, Verkehrsmittel, Automaten, Gebrauchsgegenstände, Kommunikationsmittel, Webseiten oder Medien sein. Barrierefrei heißt aber nicht einfach „behindertengerecht“. Es bedeutet vielmehr „menschengerechtes Bauen und Gestalten“, denn von Barrierefreiheit profitieren alle: Eltern mit Kinderwagen, Menschen mit schwerem Gepäck, Kinder, kleine und groß Gewachsene, computerungeübte Menschen, ältere Menschen oder Personen, die durch Krankheit beeinträchtigt sind. Deshalb sollte „Barrierefreiheit“ nicht länger als Stigmatisierung und lästiger Mehraufwand gesehen werden. Barrierefreiheit sollte in einer von Menschen für Menschen geschaffenen Umwelt selbstverständlich sein.

Behindertenfeindlichkeit

auch Ableism (aus dem Engl to be able) ist die Abwertung und Diskriminierung von Menschen, die als behindert bezeichnet werden. Es gibt sehr verschiedene Äußerungsformen von Behindertenfeindlichkeit: Nicht-Thematisierung (keine Erwähnung, kein Interesse), Überbetonung der Behinderung (Menschen werden nicht als Menschen, sondern als Behinderte wahrgenommen), Direkte Feindseeligkeit (besonders gegenüber Menschen mit Behinderung, die Selbstbewusstsein signalisieren), Paternalistische Führsorge (Menschen mit Behinderung werden primär als Opfer und Hilfebedürftige gesehen, immer als Nehmende, nie als Gebende),Vermeidungsverhalten (Menschen mit Behinderung aus dem Weg gehen), Projektion von Ängsten und Konflikten (Menschen mit Behinderung für das eigene Unbehagen verantwortlich machen), Abwertung (Menschen mit Behinderung wird ein geringerer Anteil an Leben, Sexualität, Glück, Erfolg, Macht etc. zugestanden), Besondere Betonung der Mehrheitsnormen (z.B. Autonomie (Selbstversorgung), Effizienz und Leistungsfähigkeit, Ökonomismus, Ästhetik, herrschende Schönheitsideale). Diese verschieden Äußerungsformen der Ablehnung und Benachteiligung machen deutlich, dass die Diskriminierung gegenüber Menschen mit Behinderung sehr viele Facetten hat. Deshalb greift der Begriff der „Feindlichkeit“ auch zu kurz, wenn die Diskriminierung von Behinderung und die zugrunde liegende Ideologie der Ungleichwertigkeit beschreiben werden soll.

Behinderung

Behinderung umfasst drei Aspekte: Behinderung ist zum einen eine Schädigung (engl. impairment) von Organen oder Funktionen des Menschen. Behinderung ist aber auch eine Beeinträchtigung (engl. disability) des Menschen. Auf Grund einer körperlichen, geistigen oder seelischen Schädigung verfügt eine Person über eingeschränkte oder anderen Fähigkeiten im Vergleich zu nichtgeschädigten Menschen. Es sind also Funktionsbeeinträchtigungen, die typische, „normale“ Alltagsituationen behindern oder unmöglich machen. Schließlich impliziert Behinderung auch Benachteiligung (engl. handicap) des Menschen im körperlichen und psychosozialen Feld. Behinderung heißt hier ‚behindert werden’, also die nachteiligen Konsequenzen von Schädigung und Beeinträchtigung in familiärer, schulischer, beruflicher und gesellschaftlicher Hinsicht. Die Abwendung von einer medizinischen Sichtweise unterstreicht, dass Behinderung nicht in erster Linie eine Eigenschaft der Person ist. Der „Behinderte“ ist nicht in erster Linie seine Behinderung, sondern Menschen mit einer Schädigung sind in bestimmten Aspekten beeinträchtigt und werden von ihrer Umwelt in verschiedener Hinsicht behindert. Der Begriff Behinderung ist nicht unumstritten: Er verleiht einerseits Schutz und Hilfe, z.B. den Anspruch auf spezielle Förderungen, auf Eingliederungshilfen oder auf finanzielle Unterstützungen. Andererseits bedeutet er aber auch Stigmatisierung und Ausgrenzung.

C

Chancengleichheit

Chancengleichheit heißt, dass niemand wegen ungleicher sozioökonomischer oder kultureller Ausgangslagen benachteiligt werden darf. Eine Gleichheit der Menschen gibt es nicht, da alle Menschen unterschiedlich sind: sie sind individuell verschieden (Veranlagungen, Begabungen, Interessen usw.), sind aber auch sozial ungleich (familiäre Situation, Einkommen, sozialer Status, Bildungshintergrund usw.). Ungleichheit wird dann zur Ungerechtigkeit, wenn aus diesen Unterschieden Nachteile erwachsen. Die Forderung nach Chancengleichheit meint, dass alle die gleichen Start- und Ausgangschancen haben sollen und niemand ohne eigens Verschulden oder Zutun benachteiligt werden darf. Jeder Mensch ist anders, aber sein Wert und seine Rechte sind gleich. Chancengleichheit zeigt sich zum einen durch die formale Gleichberechtigung und gleichzeitig durch die tatsächliche Gleichstellung.

Critical Whiteness

ist eine kritische Perspektive auf Weißsein als Norm. Sie befasst sich mit denjenigen, die Rassismus ausüben oder von rassistischen Strukturen profitieren und lenkt den Blick darauf, wie Weiß-Sein als Normalität konstruiert wird, z.B. warum Weiße Deutsch, wenn sie sich beschreiben, oft Kategorien wie Mann, Frau, alt, jung, Mutter, Lehrer usw. benutzen – die Hautfarbe aber scheinbar keine wesentliche Rolle spielt, obwohl sie doch wesentlich mit der eigenen gesellschaftlichen Position verbunden ist. Der Critical Whiteness-Ansatz möchte bewusst machen, was es heißt, zur dominanten Weißen Gruppe zu gehören, welche Dominanzverhältnisse, Ausgrenzungsstrategien und Privilegien damit verbunden sind. Ziel ist es, die Struktur dieser Ausgrenzung zu analysieren und Gegenstrategien zu entwickeln. Erreicht werden soll ein verantwortungsvoller Umgang mit dem eigenen Weißsein und den damit verbundenen Privilegien.

D

Demokratie

Demokratie ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Herrschaftsformen. Im antiken Griechenland bezeichnete er die direkte Volksherrschaft (demos = Volk; kratia = Herrschaft). Zum Volk zählten damals nicht alle Menschen, nur männliche Vollbürger mit einem bestimmten Beruf und Status durften an den Volksversammlungen teilnehmen. Doch auch in modernen Demokratien können nicht alle mitbestimmen, z.B. durften Frauen in vielen Staaten bis ins 20.Jhd. nicht wählen und z.B. in Deutschland dürfen in der Regel nur Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit wählen, egal, ob sie hier geboren wurden.

Heute wird der Begriff Demokratie zum einen für Staatsformen und zum anderen für Entscheidungsprozesse verwendet.

In einem demokratischen Staat trifft das Staatsvolk (Demos) Entscheidungen in kollektiven Prozeduren. In repräsentativen Demokratien (z.B. Deutschland) wählen die BürgerInnen dazu RepäsentantInnen, die dann die Herrschaft ausüben. In der direkten Demokratie, wie sie zum Beispiel in der Schweiz praktiziert wird, übt das Volk nicht nur durch Wahlen, sondern durch häufige Volksabstimmungen die Entscheidungsmacht stärker selbst aus. Für die Einstufung als demokratischer Staat ist es weiterhin entscheidend, dass den BürgerInnen politische und bürgerliche Grundrechte (z.B. Wahlrecht, Versammlungsfreiheit, Meinungs- und Pressefreiheit, Glaubensfreiheit, Diskriminierungsfreiheit) garantiert werden. Außerdem muss es eine Trennung geben zwischen der Instanz, die die Gesetze erlässt (z.B. Bundesregierung, Bundesrat und Bundestag), der Instanz die sie durchsetzt (z.B. Behörden und Polizei) und der Instanz, die die Einhaltung der Gesetze und der Grundrechte kontrolliert (Gerichte).

Demokratische Entscheidungsfindung heißt im besten Fall, dass alle in die Entscheidung einbezogen werden. Das heißt, sowohl an der Diskussion um inhaltliche Regeln (z.B. was soll in einer Schulvereinbarung stehen), als auch bei der Entscheidung über deren Verbindlichkeit für alle (wer hat alles eine Stimme, die zählt).

Das demokratische Prinzip hat jedoch auch Grenzen. Eine demokratische Entscheidung ist immer eine Mehrheitsentscheidung, die z.B. zu einer Benachteiligung von Minderheiten führen kann. Die Rede von Demokratie ist heute oft auch eine Floskel. Die so genannte partizipatorische Demokratietheorie kritisiert z.B., dass es zu wenig Mitentscheidungs- und Selbstverwirklichungsmöglichkeiten in der modernen Demokratie gibt.

Diskriminierung

Diskriminieren (lat.: discriminare) steht für "trennen, unterscheiden". Diskriminierung (auch: Benachteiligung, Ausschluss, Ungleichbehandlung) heißt, dass eine Person schlechter als andere behandelt wird, weil sie einer bestimmten Gruppe zugeordnet wird oder ein bestimmtes Merkmal hat. Unter sozialer Diskriminierung wird die Benachteiligung von Menschen aufgrund von Merkmalen wie ethnische oder nationale Herkunft, Hautfarbe, Sprache, politische oder religiöse Überzeugungen, sexuelle Orientierung, Geschlecht, Alter oder Behinderung verstanden. Entsprechende Ideologien (Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, etc) und ungleiche Machtstrukturen stützen die Durchsetzung von Diskriminierung in der Gesellschaft. Diskriminierung bedeutet den Ausschluss von materiellen Ressourcen, politischer und gesellschaftlicher Teilhabe sowie die Verweigerung von Anerkennung, Respekt, Interesse. Dabei kann soziale Diskriminierung ganz unterschiedliche Formen annehmen: Sie zeigt sich durch Kontaktvermeidung, Beleidigungen, physische und körperliche Gewalt, Benachteiligung beim Zugang von Gütern und Positionen, gesetzliche Ausgrenzung, persönliche Herabsetzung usw. Der Grundmechanismus von Diskriminierung ist dabei immer gleich: unterscheiden – abwerten - schlechter behandeln. Diskriminierung kann in den unterschiedlichsten Lebensbereichen zum Ausdruck kommen: Im Alltag und in der Sprache, beim Zugang zu Bildung- und Ausbildung, auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, im Gesundheits- und Versicherungswesen, in der politischen Partizipation oder in der Medienpräsentation. Diskriminierungen können außerdem unterschieden werden in individuelle, institutionelle und kulturell-diskursive Ausschlüsse.

Diskurs/diskursiv

Der Begriff Diskurs bzw. diskursiv wird in verschiedenen Theorien sehr unterschiedlich verwendet. Die Kritische Diskursanalyse beschreibt einen Diskurs als gesellschaftlich institutionalisierte Redeweisen, also was wie über wen in der Gesellschaft gesagt wird oder auch verschweigen wird. Ein Diskurs ist also mehr als eine Debatte oder Diskussion zu einer Thematik. Er ist die Gesamtheit der Positionen, Aussagen, Bedeutungen, also die Wissensansammlungen über einen bestimmte Gegenstand. Diese geben in ihrem Zusammenspiel nicht nur Meinungen wieder, sondern sie erzeugen auch Bedeutungen und legen fest, was gesellschaftlich vorherrschende Mehrheitspositionen sind. Diskurse bestimmen dadurch das Handeln und die Wissensbildung von Menschen.

Diversity

ist ein Begriff aus dem Englischen und bezeichnet individuelle Vielfalt oder Verschiedenheit von Menschen bezogen auf soziale Kategorien wie Geschlecht, Herkunft, Alter, Behinderung, Sprache, usw. Deshalb ist jeder Mensch in sich bereist vielfältig, weil sich seine Identität aus verschiedenen, vielfältigen Aspekten zusammensetzt.

Als Vielfalt im Sinne von „ Verschiedenartigkeit, Buntheit, Reichtum“ wird aktuell v.a. dann gesprochen, wenn Abweichungen von der gesellschaftlichen Mehrheitsnorm, der Normalität als etwas Positives und Wünschenswertes gesehen werden, z.B. schwulen und lesbischen Lebensweisen, eine Behinderung oder ein hohes Lebensalter. Diese Sicht geht oft noch von einer Perspektive eben dieser Mehrheitsnorm aus, die durch die „bunte Vielfalt“ der „Anderen“ bereichert wird. In einer gerechten Gesellschaft aber sollten alle Vielfaltsmerkmale ganz selbstverständlich gleichwertig und gleichberechtigt teilhaben können. Gegenwärtig kann die positive Wertschätzung von Vielfalt nicht getrennt betrachtet werden von Machtungleichheit und Benachteiligung, denn Vielfaltsmerkmale sind allzu oft Anlass für Diskriminierung. In einem Konzept aus der Wirtschaft bezeichnet Managing Diversity die Strategie, eine vielfältige Belegschaft und Kundschaft als positive Ressource zu sehen und zu nutzen.

E

Empowerment

aus dem Engl. power: Kraft, Macht. Wörtlich bedeutet Empowerment „Ermächtigung“ oder Bevollmächtigung. Mit Empowerment sind Strategien und Maßnahmen gemeint, um Menschen in die Lage zu versetzen, ihre Interessen eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten und zu gestalten. Benachteiligte Menschen werden durch Empowerment bestärkt, ihre eigenen Kräfte zu entwickeln und Fähigkeiten nutzen, um ihre Lebensumstände und Entwicklungsmöglichkeiten zu verbessern - unabhängig vom Wohlwollen der Mehrheitsangehörigen. Grundsätze von Elemente sind es, Isolation zu überwinden, das Gruppenbewusstsein zu fördern, das Selbstbewusstsein zu stärken sowie Bewältigungsstrategien zu erarbeiten. Ziel ist es, aus Objekten Subjekte zu machen, also handelnde Akteure statt passiver Opfer.

Essentialisierung

bedeutet die Überbetonung und Festlegung auf bestimmte Merkmale, Eigenschaften oder Verhaltensweisen. Sie werden als den Menschen wesenseigen und unverrückbar begriffen, liegen in seiner „Natur“. Essentialisierungen gehen auch mit einer Reduzierung der jeweiligen Person auf dieses eine Merkmal einher, blenden also andere Identitätsmerkmale der Person aus. Nach essentialistischen Auffassungen seien beispielsweise Frauen nun mal fürsorglicher als Männer, weil es in ihrem Wesen so angelegt sei. Ein anderes Beispiel ist, dass „südländische“ Männer „hitziger“ im Verhalten als mitteleuropäische seien, weil dies in ihrer Kultur so wäre.

F

Flucht/Flüchtling

(siehe Asyl, Migration)

Fremdenfeindlichkeit

(siehe Ausländerfeindlichkeit)

G

Gender

gender (engl. für soziales Geschlecht) wird im Deutschen verwendet, wenn auf gesellschaftliche Merkmale von Männern und Frauen Bezug genommen wird. Gender bezeichnet alles, was in einer Kultur und zu einer bestimmten Zeit als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird (z.B. Kleidung, Beruf, Aussehen, Auftreten usw.) Es verweist nicht unmittelbar auf die körperlichen Geschlechtsmerkmale, denn das biologische Geschlecht (engl. sex) legt nicht zwingend das Verhalten und Empfinden als Frau oder Mann fest. Die französische Philosophin Simone de Beauvoir hat die Unterscheidung in soziales (gender) und biologisches (sex) Geschlecht treffend beschrieben: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht.“ Es gibt aber auch Menschen, die nicht in das klassische Schema von Frau-Mann hineinpassen (wollen). Hierfür wird der Begriff Transgender verwendet.

Gendermainstreaming

siehe: positive Maßnahmen

Geschlechterrollen

sind die Rollen als Mann oder Frau, die man spielt bzw. zu spielen hat. Sie beschreiben geschlechtsspezifische Verhaltensmuster, die gesellschaftlich erwartet werden. Geschlechterrollen sind daran gekoppelt, welche Position Frauen und Männer in gesellschaftlichen Verhältnissen haben und hatten, z.B. für Frauen in der Rolle als Erwerbstätige, Mutter, Ehefrau, Tochter, Kollegin, Partnerin etc. Die Geschlechterrollen sind nach Zeitalter, Kultur und Gesellschaft jeweils unterschiedlich, sie sind variabel und veränderbar, die Spanne der Interpretation ist groß. So sind viele Berufsbilder immer noch mit Geschlechterrollen verbunden, z.B. die der Kindergärtnerin oder die vieler Handwerksberufe.

Geschlechterverhältnis

Beschreibt das Verhältnis, das die Geschlechter als soziale Gruppen untereinander haben, also in welchem Verhältnis Männer und Frauen als soziale Gruppen zueinander stehen. Es ist eine von „außen“ vorgegebene Struktur, in die die Menschen als Mädchen oder Junge hineingeboren werden. Geschlechterverhältnisse strukturieren alle Bereiche des Lebens und prägen Denken, Fühlen, Handeln. Je nach raum-zeitlicher Situation bedeutet dies etwas anderes. Z.B. ist die Ehe ein konkretes Geschlechterverhältnis, das sich sehr verändert hat. War die Ehefrau früher in diesem Verhältnis in hohem Maße abhängig vom Ehemann, hat sie heute weitgehend gleiche Rechte in der Ehe. Aber auch heute noch sind Geschlechterverhältisse hierarchische Systeme bzw. Rangordnungen. Sie geben Leitlinien vor, wer welche gesellschaftliche Position einnimmt, z.B. auf dem Arbeitsmarkt.

H

Holocaust

(siehe Nationalsozialismus)

Homophobie

Homophobie ist die Ablehnung bzw. Feindseligkeit gegen schwule, lesbische, bi-oder transgender Lebensweisen oder Menschen. Der Begriff „Phobie“ verweist auf das psychologische Moment von Angst, aus dem sich Vorurteile, Mythen und negative Gefühle speisen. Der Begriff ist aber irreführend, denn die Feindseligkeit gegenüber „Homosexualität“ ist nicht immer mit einer irrationalen Angst zu erklären. Die Ablehnung von schwulen und lesbischen Lebensweisen ist ein gesellschaftliches Phänomen, das seinen Ursprung in einer Ideologie der Ungleichwertigkeit von nichtheterosexuellen Lebensweisen hat. Es ist also ein institutionalisiertes Denk- und Verhaltenssystem, das alles Schwule und Lesbische an sich ablehnt und stigmatisiert. Die negativen Einstellungen beruhen zumeist auf tradierten konservativen Vorstellungen von Geschlechterrollen, die durch die Präsenz von Schwulen und Lesben in Frage gestellt werden. Andere Begriffe, die die Höherbewertung und Privilegierung heterosexueller Lebensweisen und Paarbeziehungen treffend beschreiben, sind Heterosexismus oder Heteronormativität.

Homosexualität

Homosexualität bedeutet, dass sich Frauen und Männer gleichgeschlechtlich verlieben und ihr sexuelles Interesse vorwiegend auf das eigene Geschlecht konzentrieren. Zu jeder Zeit gab es Frauen, die Frauen begehrten und Männer, die sich in Männer verliebten, sie wurden aber nicht als schwul oder lesbisch bezeichnet. Die Klassifizierung in hetero- und homosexuell wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts erfunden. Bis 1992 führte die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität noch als Krankheitsbild. Viele Schwule und Lesben lehnen den Begriff Homosexualität deshalb ab, auch weil schwule und lesbische Lebens- und Liebensweisen durch den Begriff als unnormal ettiketiert und abwertet werden. Heute gibt es eine Vielzahl von Identitäten, die sich nicht immer klar in heterosexuell oder homosexuell teilen lassen. Die Grenzen zwischen den verschiedenen sexuellen Orientierungen sind nicht starr, z.B. können sich bisher heterosexuell lebende Menschen in eine gleichgeschlechtliche Person verlieben. Die Frage, warum der eine Mensch eine heterosexuelle, ein anderer eine homosexuelle Orientierung ausformt, weiß man bisher nicht genau zu beantworten. Alle Versuche, eine vermutete Ursache für Homosexualität wissenschaftlich zu beweisen, sind bisher gescheitert. Höchstwahrscheinlich müssen sehr viele Faktoren gemeinsam wirken, damit eine bestimmte sexuelle Orientierung bevorzugt wird, z.B. biologische Veranlagung, Sozialisation, Lebenserfahrungen usw.

Horizontaler Ansatz

Der Begriff „horizontaler Ansatz“ beschreibt eine zielgruppenübergreifende Herangehensweise in der Antidiskriminierungspolitik und –arbeit. Diskriminierung wird dabei nicht nur bezogen auf ein bestimmtes Merkmal betrachtet. Eine Chance dieses Ansatzes liegt in der Berücksichtigung der Tatsache, dass jeder Mensch über mehrere Merkmale – beispielsweise Alter und Geschlecht – verfügt. Daher können sich Diskriminierungen überschneiden oder ganz spezifische Formen annehmen. Dieser Begriff wird im Hinblick auf rechtlichen Diskriminierungsschutz und Diskriminierungsbekämpfung verwendet.

I

Identität

Identität ist das Bewusstsein von sich selbst als Individuum. Identität ist nicht fest, unveränderlich und in sich stimmig. Man hat nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Identität, die sich nicht mehr verändert. Vielmehr bildet sich Identität beständig weiter und ist ein lebenslanger Prozess von Definition und Neudefinition der eigenen Person. Jeder Mensch trägt verschiedene Identitäten in sich. So sind z.B. das Geschlecht, das Alter, Herkunft, Nationalität, Beruf, Religionszugehörigkeit, Bildungsstand, sozialer Status usw. wichtige Identitätsmerkmale. In einer Person laufen diese verschiedenen Merkmale zusammen. Identität ist also ein Zusammenspiel von persönlichen und sozialen Identitäten, die sich gegenseitig beeinflussen.

Ideologie der Ungleichheit

Ideologien sind Weltanschauungen, Ideensysteme oder Lehren darüber, wie Welt organisiert ist oder sein sollte. Begründen solche Ideologien die Ungleichwertigkeit von Menschen, dann sprechen wir von Ungleichheitsideologien. Ungleichheitsideologien sind zum Beispiel Rassismus, Antisemitismus und Sexismus. Sie bieten vermeintlich abschließende Ansichten und Erklärungsmuster darüber, wie die Gesellschaft und Über- und Unterordnungsverhältnisse von Menschen beschaffen sind. Dabei erklären sie schwierige gesellschaftliche Verhältnisse nicht nur, indem sie komplexe Widersprüche vereinfachen. Sie erklären darüber hinaus auch, warum diese Verhältnisse so beschaffen sind und warum es richtig ist, dass dies so ist. Sie legitimieren also Ungleichwertigkeit und Benachteiligung als logisch, unveränderbar und richtig.

Inklusion

ist ein bürgerrechtsbasierter Ansatz gegen gesellschaftliche Ausgrenzung. Er will, dass alle Menschen das gleiche Recht und die tatsächliche Möglichkeit haben, in allen Bereichen der Gesellschaft in vollem Umfang teilzuhaben, ungeachtet ihrer persönlichen Unterstützungsbedürfnisse. Inklusion zielt drauf ab, dass sich alle gesellschaftliche Bereiche und Institutionen (Schule, Arbeitsmarkt, Wohnen, öffentliche Gebäude, Medien usw.) so verändern, dass kein Mensch mehr durch Barrieren ausgeschlossen wird. Nicht der Mensch muss sich anpassen, um sich in bestehende Strukturen einzupassen; Vielmehr müssen sich die Strukturen den unterschiedlichen Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen anpassen. Inklusion denkt alle von Anfang an mit. Es muss bei der Inklusion also niemand mehr eingegliedert werden, weil niemand zuvor ausgegliedert wurde.

Integration

Integration bedeutet „dazuholen“, „vervollständigen“, „einbeziehen“ oder „in ein Größeres eingliedern“. Der Begriff beinhaltet, dass es eine Vorstellung von etwas bereist Vorhandenem, etwas Normalem gibt, in das sich bestimmte Menschen oder Gruppen integrieren sollen. Z.B. sollen sich Menschen, die eine Behinderung haben, in eine Gruppe von Menschen, die keine Behinderung haben integrieren. Das bestehende Ganze muss sich für die Integration nicht verändern, der/die zu Integrierende muss sich an die vorhandenen Strukturen anpassen: Die zuwanderten MigrantInnen an die Mehrheitsgesellschaft oder das Kind mit einer Behinderung an die Regelschule. Integration ist nie bedingungslos, sondern sie bedarf bestimmter Bedingungen, damit die Integration überhaupt gelingt: Integrationsmaßnahmen, Integrationswilligkeit, Integrationsleistungen, Integrationsfähigkeit oder Integration unter dem Vorbehalt, dass sie bezahlbar sein muss.

Intersektionalität

Intersektionalität bedeutet Überschneidung von Diskriminierungsmerkmalen. Das kann bedeuten, dass sich zwei Diskriminierungsmerkmale verstärken, z.B. wenn Migrantinnen auf dem Arbeitsmarkt schlechtere Chancen haben, weil sie Frauen sind und weil sie außerdem Migrantin sind. Verschiedene Merkmale können aber auch auf ganz spezifische untrennbare Art und Weise zusammenwirken und sich gegenseitig beeinflussen, so dass sie nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden können. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Schwarzer, junger Mann von der Polizei angehalten und auf Drogenbesitz kontrolliert wird, ohne dass es ein konkretes Verdachtsmoment gibt. Einem älteren Mann oder einem Weißen Jugendlichen wäre dies wahrscheinlich nicht passiert. Allein weil er ein Mann ist und jung und nicht-Weiß, erfüllt er das Klischee vom jugendlichen, männlichen, nichtdeutschen Dealer.

Intersexualität

siehe Transgender

Islamophobie / Islamfeindschaft

Islamophobie wird oft verwendet, um eine feindselige Ablehnung des Islam als solchen und von Muslimen als Personen zu bezeichnen. Der Begriff „Phobie“ und „Feindschaft“ legt aber nur eine unbestimmte Angst bzw. individuelle Feindseligkeit nahe. Treffender ist der Begriff antiislamischer Rassismus, denn er ist eine Ungleichwertigkeitsideologie und mehr als ein persönliches Vorurteil.

Antiislamischer Rassismus ist ähnlich wie Antiziganismus eine spezifische Form des Rassismus.

Seit den Terroranschlägen am 11.9.2001 in New York nimmt antiislamischer Rassismus stark zu. Dennoch hat er eine lange Geschichte, in welcher der „Orient“ gegenüber dem Okzident/Westen als kulturell und politisch unterlegen betrachtet wurde.

Antiislamischer Rassismus äußert sich in der Ablehnung muslimischer Religion und deren Symbole, z.B. Kopftuch oder Minarette, aber auch in Ausgrenzung und Anfeindungen muslimischer Menschen und deren verschiedener Kulturen. Er verallgemeinert außerordentlich verschiedene Menschen und deren Lebessstile, deren weltweit so unterschiedliche kulturelle, politische und religiöse Hintergründe zu einem Islam und wertet diesen pauschal als bedrohlich, rückschrittlich, fanatisch oder frauenfeindlich ab.

K

Klassismus

(Engl. classism) bezeichnet die Diskriminierung und Abwertung von Menschen aufgrund ihres ökonomischen, sozialen oder bildungsbezogenen Status. Bestimmte Werte und Fähigkeiten werden Menschen mit niedrigem sozialen Staus (auch: Klasse, Milieu, Schicht) zugeschrieben und sie werden dadurch bzw. deshalb abgewertet, ausgegrenzt und benachteiligt. Betroffen von Klassismus sind bspw. arme Menschen, arbeitslose und obdachlose Menschen, gering verdienende ArbeiterInnen oder Menschen aus bildungsfernen Herkunftsfamilien. Neben der ökonomischen und bildungsbezogenen Diskriminierung beschreibt Klassismus auch, dass die Lebenswelt, Sprache, Alltagskultur keine Anerkennung findet, herab gesetzt und mit stereotypen und vorurteilsbelasteten Wahrnehmungen verbunden wird.

Bestimmte negative Eigenschaften und Verhaltensweisen werden im Klassismus den Menschen mit niedrigem sozialem Status zugeschrieben. Abwertende Stereotype hierbei sind z.B. schlechte Gesundheit, Übergewicht, ungepflegtes Äußeres, den ganzen Tag Privatfernsehen schauen, kein Interesse an Hochkultur, Alkoholismus und Anfälligkeit für Drogenmissbrauch, Vernachlässigung von Kindern, promiske Lebensweise, Unfähigkeit erfolgreich zu Handeln, Mangel an Selbstkontrolle usw. Gleichzeitig werden in einem Prozess der Abwertung die direkten und indirekten Folgen von Armut den betroffenen Menschen angelastet.

Kolonialismus

Kolonialismus bezeichnet die gewaltsame Ausdehnung der wirtschaftlichen und politischen Herrschaft von Staaten auf Regionen außerhalb ihrer Grenzen. Der Begriff betrifft vor allem die Politik zahlreicher europäischer Staaten (später dann auch der USA und Japan) gegenüber Regionen in Asien, Afrika, Süd- und Mittelamerika zwischen dem Ende des 15. und der Mitte des 20. Jahrhunderts. Zweck war neben missionarischem Eifer und Entdeckungslust vor allem nationales Prestige und die wirtschaftliche Ausbeutung der Ressourcen und die Mehrung des Reichtums der Kolonialherren und -damen und der Mutterländer. Millionen von Menschen wurden dabei ermordet oder verhungerten, Zwangsarbeit, Prügelstrafen und Vergewaltigungen gehörten im kolonialen Herrschaftssystem zum Alltag. Die rassistische Ideologie, die Weiße als höherwertig einstuft, diente als Rechtfertigung für die systematischen Menschenrechtsverletzungen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts, zur Hochzeit des Kolonialismus, befand sich über die Hälfte der Weltbevölkerung unter kolonialer Herrschaft. Dem Widerstand der Menschen gegen ihre Ausbeutung wurde mit brutaler Gewalt begegnet. Ein Beispiel ist der Aufstand der Herero und Nama 1904 in Deutsch-Südwestafrika, der Musterkolonie des deutschen Kaiserreichs, der brutal niedergeschlagen wurde und in einen Völkermord durch die deutsche Kolonialmacht mündete. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine bis in die 70er Jahre andauernde Phase der De-Kolonialisierung ein. Die ehemaligen Kolonialstaaten wurden formal unabhängig, das Verhältnis zu den ehemaligen Kolonialmächten war aber aufgrund der geschaffenen Strukturen weiterhin von einem politischen und wirtschaftlichen Machtgefälle geprägt (Neo/Postkolonialismus). Auch unsere heutige Weltsicht ist immer noch stark vom Kolonialismus beeinflusst. Im europäischen dominanten Bild von Afrika (als urwüchsig, ländlich, exotisch, unterentwickelt, hilfsbedürftig) schaut noch immer der Kolonialherr, Missionar oder Pionier auf Afrika als „ein“ Land, das seiner (Entwicklungs-)Hilfe bedarf. Eine kritische Aufarbeitung der Kolonialzeit hat in Europa dagegen kaum stattgefunden, auch in Deutschland nicht: Nur wenige Orte im öffentlichen Raum erinnern an die Verbrechen des Kolonialismus; auch in Schulbüchern spielt der deutsche Kolonialismus so gut wie keine Rolle.

 

Zur Beschäftigung im Unterricht siehe auch: www.lehrer-online.de/hereroaufstand.php

Kultur

Es gibt vielfältige Bedeutungen von Kultur, z.B. Kultur als Oberbegriff für Kunstprodukte von Menschen oder Kultur als Nationalkultur eines Staates oder Volkes. Kultur bezieht sich in der Regel auf etwas, was Menschen gemeinsam haben und wird oft im Gegensatz zu Natur gedacht. Es sind die Gemeinsamkeiten von Kenntnissen, Verhaltensweisen, Traditionen, Kommunikationsarten, mentaler Regeln und Lebensweisen bestimmter Gemeinschaften. Jeder Mensch gehört mehreren Kulturen an, er hat also mit anderen Menschen z.B. eine oder mehrere Staatsangehörigkeiten, Sprachen und Dialekte, Glaubenskulturen, subkulturelle Lebensstile usw. gemein. Kulturen werden nicht angeboren, sondern erlernt, erworben, weitergegeben. Sie sind auch nicht fest und unveränderbar, sondern dynamisch, vielschichtig und verändern bzw. vermischen sich laufend. Deshalb ist jemand auch nicht seine Kultur, sondern jedeR hat unterschiedliche kulturelle Bezüge

M

Mainstreaming

(aus dem Engl. mainstream: Hauptstrom). Mainstreaming ist eine Strategie zum Ausgleich von Benachteiligungen von bestimmten sozialen Gruppen. Sie bedeutet, dass Chancengerechtigkeit und Nichtdiskriminierung dieser Gruppe zum durchgängigen Leitprinzip der eigenen Arbeit und Organisation gemacht wird. Bei allen Vorhaben, Entscheidungen und Regelungen ist deshalb zu prüfen, welche Interessen und Bedürfnisse die entsprechende benachteiligte Gruppe hat. Denn nur wer die jeweiligen Unterschiede berücksichtigt, kann Diskriminierung vermeiden. In einem Zweiten Schritt müssen sie Entscheidungen dann so getroffen werden, dass sie die jeweilige Gruppe nicht benachteiligen. Mit der Strategie des Mainstreamings wird verhindert, dass scheinbar neutrale Maßnahmen faktisch zu Benachteiligungen führen. Beispiele sind Gender Mainstreaming zur Gleichstellung von Frauen und Männern oder Disability Mainstreaming zum Abbau von Diskriminierung von Menschen mit einer Behinderung.

Mehrfachdiskriminierung

Mehrfachdiskriminierung bedeutet, dass jemand wegen mehr als einem Merkmal diskriminiert wird. Es trifft v.a. Personen, die gleichzeitig mehreren benachteiligten Gruppen angehören, z.B. kann ein junger Migrant zusätzlich wegen seiner schwulen sexuellen Orientierung benachteiligt werden. Mehrfachdiskriminierung kann auch bedeuten, dass ein Diskriminierungsmerkmal gleichzeitig durch ein oder gar mehrere weitere Diskriminierungsmerkmale verstärkt wird.

Mehrheit

Im sozialen Verständnis ist Mehrheit kein ausschließlich zahlenmäßiger, sondern ein politischer Begriff. Im Verhältnis zur Minderheitengruppen hat die Mehrheit mehr Macht und Einfluss. Normen, Werte und Vorstellungen der Mehrheit gelten als Norm.

Mehrheitsgesellschaft

bezeichnet den Teil der Bevölkerung, der die Macht hat, die kulturellen, sozialen und politischen Normen einer Gesellschaft zu definieren.

Menschenrechte

Menschenrechte sind Rechte, die mit dem Menschsein als solchem gegeben sind. Sie stehen allen qua Geburt zu und sind unabhängig von der Stellung in Staat, Gesellschaft, Beruf, Religion und Kultur. Sie können von Staaten nur anerkannt, nicht aber verliehen werden und gelten auch unabhängig von Merkmalen wie Hautfarbe, Geschlecht, Sprache sexuelle Orientierung u.ä. Menschenrechte sind universell, unteilbar und unveräußerlich. Die Menschenrechte der ersten Generation waren Freiheitsrechte und betreffen die bürgerliche und politische Sphäre: Meinungsäußerung, Versammlungsfreiheit, Teilhabe am politischen Leben usw. Später kamen die Menschenrechte der zweiten Generation hinzu. Sie sind Gleichheitsrechte und betreffen soziale, wirtschaftliche, kulturelle Rechte: Recht auf angemessenen Lebensstandart, Gesundheit, Bildung. Die Menschenrechte der dritten Generation sind Kollektivrechte der Gesellschaft oder von Völkern: Recht auf nachhaltige Entwicklung, Frieden, gesunde Umwelt.

Die Durchsetzung der Menschenrechte musste und muss weiterhin hart erkämpft werden. Ihre Einhaltung ist nicht selbstverständlich, auch wenn sie von vielen Staaten akzeptiert werden. Menschenrechte verstehen sich vielmehr als Richtnorm, an denen sich der Kampf gegen Benachteiligung, Unterdrückung und Ausgrenzung orientiert.

MigrantIn

Migrant/innen sind Menschen, die über eine längere Dauer ihren Wohnsitz wechseln. In diesem Sinne sind alle Menschen, die dauerhaft aus- oder einwandern MigrantInnen: Auswanderer, Flüchtlinge, internationale Geschäftsleute oder Universitätsprofessorinnen mit Wohnsitzen in verschiedenen Ländern oder Student/innen, die sich im Ausland verlieben und dort leben bleiben.

Migration / Flucht

Als soziologischer Begriff bezeichnet Migration (lateinisch migrare: wandern) alle Formen räumlichen Mobilität von Individuen und Gruppen. Sie kann unterschieden werden in Binnenmigration, das heißt Migration innerhalb eines Landes (z.B. Stadt- bzw. Landflucht) und internationale Migration, das heißt Einwanderung (Immigration) bzw. Auswanderung (Emigration). Eine erzwungene Migration aus einem Land bezeichnet man als Flucht.

Migrationshintergrund

Heute wird statt MigrantIn oft der Begriff Migrationshintergrund verwendet, um all die Menschen zu beschreiben, die selbst oder deren Vorfahren eingewandert sind. Das Statistische Bundesamt zählt zu den Personen mit Migrationshintergrund „alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“. Im Jahr 2007 hatten in Deutschland 15,4 Millionen Menschen einen Migrationshintergrund. Davon waren 8,1 Millionen Deutsche, darunter 2,8 Millionen (Spät-)Aussiedler und 7,3 Millionen Ausländer. Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung liegt bei 18,7 %. Bei Kindern unter fünf Jahren liegt er sogar bei einem Drittel. Insgesamt sind etwa zwei Drittel der Personen mit Migrationshintergrund selbst Migranten (erste Generation), während knapp ein Drittel bereits in Deutschland geboren wurde (zweite oder dritte Generation). Der Begriff Migrationshintergrund verweist also darauf, dass sehr viele Deutsche eine Zuwanderungsgeschichte haben.

Minderheit

Minderheit meint zunächst eine Gruppe, die zahlenmäßig kleiner ist als die Mehrheitsgruppe, z.B. die Minderheit der Muslime in Deutschland gegenüber der Mehrheit der Christen in Deutschland. Eine Minderheitengruppe muss aber zahlenmäßig nicht klein sein, sondern kann viele Millionen Menschen umfassen. Minderheit als soziale Kategorie heißt also auch, dass die Gruppe sich von den herrschenden Normalitätsvorstellungen der Gesellschaft unterscheidet. Insofern ist eine Gruppe von Minderheiten nicht eine „kleine Gruppe“, sondern eine abweichende Gruppe, die selbst oder deren Position in der Gesellschaft wenig Einfluss hat.

Mobbing

Engl. to mob – anpöbeln, angreifen, über jmd. herfallen

Mobbing bedeutet, wenn jemand gezielt angefeindet, schikaniert, angegriffen und gedemütigt wird. Nicht jede Auseinandersetzung oder Ungerechtigkeit ist deshalb Mobbing. Charakteristisch für Mobbing ist es, dass die Anfeindungen und Schikanen systematisch erfolgen und über einen längeren Zeitraum erfolgen. Ausgangspunkt für Mobbing ist oft ein anderer, ungelöster und unterdrückter Konflikt.

N

Nationalismus

Der Begriff Nation wird für eine größere Gemeinschaft von Menschen verwendet, die sich durch Sprache, Kultur, Geschichte und/oder Religion in einem (historisch oft zufällig) abgegrenzten Gebiet zusammengehörig fühlt. Indem Menschen diese Eigenschaften annehmen und sie zu einem entscheidenden Identifikationsmerkmal machen, sie zu ihrem Ideal erklären und verteidigen, entsteht Nationalismus. „Nationale Identität" und „nationale Interessen" werden über alle anderen Eigenschaften, Bindungen und Interessen ( z.B. familiäre, freundschaftliche, geschlechtsspezifische, einkommensspezifische, politische) innerhalb der Nation gestellt. Typisch für den deutschen Nationalismus ist die Ansicht, dass sich die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation und Nationalkultur bzw. deren „Volk" durch die biologische Abstammung eines jeden Menschen ergeben würde. Somit werden Menschen ständig ihrem angeblich „natürlichen" und deshalb unveränderbaren Ursprung untergeordnet. Nationalismus ist eine Ungleichwertigkeitsideologie. In dem Glauben, die „eigene" Nation sei anders als andere, werden automatisch Menschen, die dieser nicht angehören, als weniger wert betrachtet. Das Ergebnis einer solchen Ideologie ist die - unbewusst oder systematisch stattfindende - Ungleichbehandlung und Ausgrenzung von Menschen anderer Herkunft. Oft besteht gleichzeitig ein Sendungsbewusstsein, aufgrund der eigenen Höherwertigkeit möglichst die ganze Welt nach den eigenen Vorstellungen zu formen (Chauvinismus).

Nationalsozialismus / Holocaust

Nationalsozialismus bezeichnet eine politische Bewegung, die in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg entstand und zunächst von der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) getragen wurde, die 1933 von der Mehrheit der deutschen Bevölkerung gewählt wurde und in das so genannte Dritte Reich (1933-1945) mündete. Der Nationalsozialismus verfolgte nationalistische, antisemitische, rassistische und imperialistische Ziele, die 1939 in den Zweiten Weltkrieg führten. Er ist eine Form des Faschismus, unterscheidet sich aber vom historischen Faschismus (z.B. in Italien) durch den Rassismus, Antisemitismus und die damit einhergehende geplante, massenhafte, industrialisierte Mordpraxis in den Konzentrations- und Vernichtungslagern. In der nationalsozialistischen „Weltanschauung" war das „arische Herrenvolk" die auserwählte Rasse, die die deutsche „Volksgemeinschaft" ausmachte. Menschen die zu „minderwertigen Rassen" (Juden, Sinti und Roma, Schwarze) oder zu „unwertem Leben" (Menschen mit Behinderungen, Schwule oder Lesben) galten nicht als teil der Volksgemeinschaft und wurden im Alltag diskriminiert, gezielt verfolgt und ermordet. Nach außen nahmen die deutschen NationalsozialistInnen für sich in Anspruch, ihren „Lebensraum" mit beliebigen Mitteln zu erweitern, minderwertige Völker zu unterdrücken und die Welt vom Judentum, dem angeblichen Übel für alle Missstände zu befreien.

Den planmäßig betriebenen, auf vollständige „Vernichtung" zielenden Massenmord von Juden/Jüdinnen während der nationalsozialistischen Diktatur bezeichnet man als Holocaust oder auch Shoa.


Nazis/Neonazis

Abkürzung für Nationalsozialist/in, die für Mitglieder der NSDAP und für Anhänger des Nationalsozialismus bis 1945 verwendet wird. Der Begriff Nazis oder Neonazis wird auch für Menschen verwendet, die die Weltsicht, die Ungleichwertigkeitsideologien und die Ziele des historischen Nationalsozialismus heutzutage gutheißen, propagieren oder versuchen, in die Tat umzusetzen. Dazu zählen Personen und Organisationen die den Holocaust leugnen, den Nationalsozialismus verherrlichen, für rassistische, antisemitische, sozialdarwinistische und sexistische Volksgemeinschaftskonzepte eintreten und ein nationalistisches, autoritäres Politikverständnis haben. Das können sowohl Parteien wie z.B. die NPD, Intellektuelle, militante Gruppen wie freie Kameradschaften oder Subkulturen sein (z.B. Rechtsrock).

O

Othering

(aus dem Engl other, anders) beschreibt ein „Andern“ und meint den Prozess des Fremd-machens. In diesem Prozess werden Unterschiede zwischen Menschen betont, (0ft negativ) bewertet und immer wieder in einem Gegensatz von „Wir“ und „das Andere“ verglichen. Das Wir sind dabei immer positiv besetzt, das Ihr wird als minderwertig, fremd, unnormal und nichtzugehörig konstruiert. Die Erfahrungen, ständig als »anders«, »unnormal« und »minderwertig« gesehen zu werden, kann dazu führen, dass „die Anderen“ diese Sicht nach und nach übernehmen oder sich dem Bild als „Andere“ angleichen. So kann es vorkommen, dass zweisprachige MigrantInnen ihre Sprachkompetenzen gering schätzen und mehr und mehr nur noch ihre Defizite in der deutschen Sprache sehen.

P

Positive Maßnahmen

Positive Maßnahmen gegen Diskriminierung wollen bestimmte Gruppen gezielt fördern, um die Benachteiligungen dieser Gruppen abzubauen. Beispiele sind Quoten für Frauen in Bereichen, wo Frauen unterrepräsentiert sind oder gezielte Förderprogramme zur Einstellung älterer Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt wegen ihres Alters benachteiligt werden. Diese Instrumente sind nicht dazu da, die Erfolgsaussichten der nichtdiskriminierten Gruppe zu verringern, sondern dazu, allen die gleichen Erfolgsaussichten zu ermöglichen. Positive Maßnahmen sind also keine Bevorzugung, sondern Instrumente zum Nachteilsausgleich. Die positiven Maßnahmen sind dann nicht mehr notwendig, wenn sich eine bestimmte Gruppen- oder Merkmalszugehörigkeit nicht mehr negativ auf die Chancen auswirkt.

R

Rassismus

bezeichnet die Einteilung von Menschen in feste Gruppen („Rassen“ oder „Kulturen“) anhand tatsächlicher oder vermeintlicher körperlicher oder kultureller Merkmale (Haut-, Haarfarbe, Sprache, Herkunft, Religion) und die damit verbundenen Bewertungen und Diskriminierungen. Der völkische (biologistische) Rassismus der Nationalsozialisten unterschied mehrere „Rassen“ von denen die „arische Rasse“ den anderen überlegen sein sollte. Auch jüdische Menschen wurden zur „Rasse“ erklärt. Die Existenz menschlicher „Rassen“ ist längst widerlegt. Im kulturalistischen Rassismus wird die Ungleichheit und Ungleichwertigkeit mit angeblichen Unterschieden zwischen den "Kulturen" zu begründen versucht, die sich nicht vermischen dürften. Rassismus beruht auf historisch gewachsenen ungleichen Machverhältnissen, die durch individuelle Verhaltensweisen, Gesetze und Institutionen aufrechterhalten werden.

Rechtsextremismus

Gängige Sammelbezeichnung für Einstellungen, Verhaltensweisen und Organisationen von Neonazis. Der Begriff Rechtsextremismus ist keine Selbstbezeichnung, sondern wurde ursprünglich vom Verfassungsschutz entwickelt. Er enthält die Vorstellung eines allgemeinen Phänomens des Extremismus, der die gesellschaftliche Mitte („die Demokratie“) bedroht. Doch die verschiedenen Dimensionen menschenfeindlicher Einstellungen, die sich in der völkisch nationalistischen Ideologie der (Neo)Nazis bündeln, finden sich in allen gesellschaftlichen Schichten. Die Gesellschaft kann deshalb gar nicht in eine „normale“ Mitte und „extreme Ränder“ aufgeteilt werden. Der Begriff ist deshalb irreführend, weil er ein gesellschaftliches Problem nicht inhaltlich beschreibt, sondern Verantwortung an den „Rand“ schiebt und eine Auseinandersetzung mit den Ursachen nazistischer Gewalt und menschenfeindlicher Diskriminierung dann gar nicht statt findet.

Regenbogenfamilie

Regenbogenfamilien sind Familien, in denen mindestens ein Elternteil schwul oder lesbisch ist. Sie sind wie Eineltern-Familien, Vater-Mutter-Kind-Familien oder Patchworkfamilien eine eigenständige Familienform. Die Kinder stammen aus vorangegangenen heterosexuellen Partnerschaften, aus Adoptionen, sind Pflegekinder oder durch Insemination, also künstliche Befruchtung, entstanden. Erstmals wurden schwule und lesbische Paare amtlich als Regenbogenfamilien im Februar 2002 im 11. Kinder- und Jugendbericht des BMFSFJ explizit im Spektrum der Familienformen genannt.

S

Schwarz/Weiß

Die Benennung von Menschen als Schwarze Deutsche oder Weiße bedeutet nicht, dass schwarz und weiß zwei Hautfarben sind. Schwarz oder Weiß (jeweils mit Großbuchstaben beginnend) ist die Selbstbezeichnungen von Menschen, die damit historisch entstandene Unterscheidungen, soziale Zuschreibungen und gesellschaftliche Machtverhältnisse, nicht aber biologische Eigenschaften, sichtbar machen wollen. Viele antirassistische AktivistInnen in Deutschland meinen mit dem Begriff »Schwarz« also nicht ein farbgebendes Adjektiv für Hautfarben, sondern bezeichnen mit »Schwarz« Menschen, die Rassismuserfahrungen gemacht haben. Weil nicht nur dunkle, sondern auch helle Hautfarben ein großes Spektrum an Tönen und Schattierungen haben, lehnen Schwarze Menschen auch den Begriff „Farbige“ ab. Ein anderer Begriff der Selbstbezeichnung ist „People of Colour“.

(vgl. www.derbraunemob.de)

Sexismus

bezeichnet die Diskriminierung und Abwertung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Sexismus ist eine Ideologie der Ungleichwertigkeit von Männern und Frauen, bezieht sich also auf die Zuschreibungen von spezifischen Geschlechterrollen für Frauen und Männer. Zum anderen bezeichnet Sexismus die historisch gewachsene Privilegierung von Männer(rollen) und die Abwertung und Diskriminierung von Frauen(rollen) in der Gesellschaft. In diesem Sinne sind Frauen die von Sexismus benachteiligte Gruppe. Sexismus drückt sich in Vorurteilen, Weltanschauungen, Handlungen, in sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Regelungen, in faktischer Gewalt und in der Rechtfertigung solcher Strukturen durch den Verweis auf eine natürliche Geschlechterdifferenz aus.

Sexuelle Belästigung

Eine sexuelle Belästigung ist es, wenn ein sexuell bestimmtes Verhalten nicht gewollt

ist und die Würde der betreffenden Person verletzt. Sie kann sich in Worten, Gesten und Handlungen ausdrücken, in ausfallenden Bemerkungen über Aussehen oder Privatleben, durch das Erzählen anzüglicher Witze, Zeigen von pornographischen Darstellungen, taxierende Blicke, unerwünschte Berührungen und Annäherungsversuche bis hin zu strafrechtlich relevanten Tatbeständen wie Stalking, sexueller Nötigung und Vergewaltigung.

Sexuelle Orientierung

beschreibt die Neigung, auf wen sich das sexuelle Verlangen, Liebe und die Vorstellungen von Partnerschaft beziehen. Der Begriff wird vor allem auf schwule, lesbische und bisexuelle Orientierungen bezogen, aber auch die „normale“ gleichgeschlechtliche Liebe und Verlangen ist eine Neigung unter vielen. Die sexuelle Orientierung ist aber auch eine gesellschaftliche Kategorie, die mit Rechten oder der Verweigerung von Rechten und Diskriminierung verbunden ist, insbesondere für Paare z.B. beim Adoptions-, Steuer- oder Erbschaftsrecht.

Social Justice

Social Justice (auch: soziale Gerechtigkeit)ist ein politisches Konzept, das sich gegen Diskriminierung durch unterschiedliche Ausgrenzungsmechanismen wendet. Es entstand in den USA vor dem Hintergrund verschiedener sozialer Bewegungen und berücksichtigt die Verschränkung unterschiedlicher Unterdrückungs- und Diskriminierungsformen. Social Justice entwirft ein umfassendes Modell von gesellschaftlicher Gerechtigkeit: Verteilungsgerechtigkeit, also den diskriminierungsfreien Zugang zu Ressourcen wie Reichtum, Arbeit, Bildung, Anerkennungsgerechtigkeit und die Bekämpfung von individueller, struktureller, kulturell-ideologischer Diskriminierung.

Sozialisation

Sozialisation beschreibt den Vorgang, wie ein heranwachsender Mensch durch Umwelteinflüsse zu einem Mitglied der Gesellschaft wird. Diese Einflüsse wirken nicht gezielt oder bewusst, sondern sie sind vielmehr vergleichbar mit einem „Meer“ an sozialer und kultureller Erfahrungen, in die ein Mensch beim Aufwachsen getaucht wird und die ihn prägen. Im Gegensatz dazu ist Erziehung der Ausschnitt aus allen Einflüssen auf Heranwachsende, der bewusst gestaltet wird. Erziehung ergibt sich - anders als Sozialisation- nicht spontan und unorganisiert.

Stereotyp

Stereotyp sind feste, vereinfachte und verallgemeinernde Bilder, in unseren Köpfen, die weit verbreitet sind. Stereotype heben Eigenschaften oder Verhaltensweisen bestimmter Gruppen von Menschen hervor und verallgemeinern sie – oft falsch: Franzosen sind gute Liebhaber, Frauen können besser zuhören als Männer, Japaner sind fleißig, Blondinen sind dumm usw. Sie vereinfachen die komplexe Realität und stehen somit in engem Zusammenhang zum Vorurteil.

Stigmatisierung

Stigmatisierung ist die Charakterisierung einer Person oder Gruppe durch die Zuschreibung

gesellschaftlich oder gruppenspezifisch negativ bewerteter Merkmale. Das Auffälligkeitsmerkmal, an das die Stigmatisierung anknüpfen, wird auch Stigma genannt. Das Stigma ist bezeichnet etwas, was nicht als normal angesehen wird und deshalb zu Ausgrenzung führt.

T

Toleranz

ist aus dem Lateinischen abgeleitet und bedeutet „ertragen“, „erdulden“ oder „aushalten“. Das vorherrschende Konzept von Toleranz ist also passiv: Es setzt immer eine Mehrheit voraus, die eine von ihr aus als Minderheit wahrgenommene Gruppe oder Meinung, Werte oder Gewohnheiten duldet, toleriert. Aktive Toleranz hingegen bedeutet, dass jemand nicht mehr gönnerhaft geduldet wird, sondern bedeutet Anerkennung und Akzeptanz auf Augenhöhe.

Transgender

Der Oberbegriff Transgender bedeutet soviel wie „jenseits der Geschlechter“. Er betont die soziale Rolle von Geschlecht und wird oft von Menschen als Selbstbezeichnung gewählt, die sich jenseits gängiger Geschlechternomen und Geschlechterrollen sehen. Die körperliche Uneindeutigkeit eines Geschlechtes hingegen (Chromosome, Gene, innere und äußerer Geschlechtsmerkmale) wird Intersexualität genannt. Früher wurden Menschen dieser Merkmale Hermaphroditen oder Zwitter genannt.

Transsexualität

Bei transsexuellen Menschen ist das Geschlechtsempfinden dem körperlichen Geschlecht entgegengesetzt. Die Geschlechtsidentität (also das empfinden ein Mann oder eine Frau zu sein) stimmt nicht mit den biologischen Geschlechtsmerkmalen überein. Der verwandte Begriff Transidentität verdeutlicht, dass es neben dem Aspekt von Sexualität v.a. um das gesamte Empfinden der Identität als Mann oder Frau geht.

V

Viktimisierung

von victim (Engl. Opfer) bedeute es, „Jemanden zum Opfer machen“. Der Begriff beschreibt zum einen den Vorgang, jemand eine bestimmte Opferrolle zuzuschreiben. Zum anderen spricht man von Viktimisierung, wenn eine Person benachteiligt wird, weil sie sich gegen eine Diskriminierung gewehrt hat, z.B. eine Arbeiterin zu entlassen, weil sie gegen eine sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz geklagt hat. Viktimisierung ist auch, wenn jemand AugenzeugIn oder HelferIn bei einer Diskriminierung war und nun selbst dafür benachteiligt wird.

Vorurteil

Ein Vorurteil ist ein pauschales, in den meisten Fällen negatives Urteil über Menschen oder Gruppen, das auf Verallgemeinerungen oder negativen Stereotypisierungen beruht. Sie enthalten eine gefühlsmäßige negativen Be- und Abwertung: das Stereotyp sagt „Alle Ausländer sind...“, das Vorurteil sagt „Ich mag keine Ausländer, weil...“. Vorurteile sind oft sehr starr und veränderungsresistent, denn sie sind historisch überliefert und verankert in Ideologien der Ungleichheit. Wird auf Vorurteilen beharrt, hat das oft die Funktion, ein bestimmtes Welt- oder Selbstbild zu stabilisieren.

Z

Zivilcourage

Unter Zivilcourage (wörtlich übersetzt Mut-von-Bürgern) wird das öffentliche Auftreten gegen die herrschende Meinung ohne Rücksicht auf eigene Interessen verstanden. Die Spannbreite reicht vom nicht Mitlachen bei diskriminierenden Witzen, verbal Stellung zu beziehen, wenn andere ungerecht behandelt werden, bis zum gezielten Hilferufen bei körperlichen Übergriffen. Zivilcourage ist keine angeborene Eigenschaft, sondern kann in so genannten Trainings erlernt werden.

Zuschreibung

Die Zuschreibung von Merkmalen, Verhaltensweisen oder Stereotypen bedeutet, dass bestimmte Eigenschaften von Menschen oder Gruppen mit Bewertungen versehen werden. Ein Beispiel ist, dass Frauen oft zugeschrieben wird, einfühlsam, fürsorglich und besonders emotional zu sein. Das Merkmal Geschlecht wird also mit bestimmten wertenden Zuschreibungen von Eigenschaften verbunden.

Zum anderen bedeutet Zuschreibung auch, dass diese Eigenschaften oder Merkmale nicht tatsächlich vorhanden sein müssen, sondern dass sie Menschen oder Gruppen von außen zugewiesen werden. Zum Beispiel kann ein Mann heterosexuell sein, er wird aber von anderen als schwul gesehen und benannt, weil sie behaupten, sein Verhalten sei „schwul“, „unmännlich“, „mädchenhaft“. Ihm wird es zugeschrieben, schwul zu sein. Zuschreibungen funktionieren also sowohl nach dem Prinzip „Deine Gruppe ist so“ als auch „Du bist eineR dieser Gruppe“.

© ADB 2014